Aussage Karl Rösecke (Titel noch überarbeiten)
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Aussage Karl Rösecke (Titel noch überarbeiten)
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"In der Wohnung aufgesucht erklärt der Rentner Karl Rösecke, geb. am 21.12.1900 in Grönland, wohnh. Grönland, Kreis Steinfurt, nach eingehender Vorbesprechung und Belehrung gem. §52 StPO folgendes:
Ich wurde am 28.12.1934 aus politischen Gründen festgenommen. Über das Lager Fuhlsbüttel kam ich anfang Mai 1935 nach Esterwegen. Soweit ich mich heute noch erinnern kann, blieb ich etwa 3 Monate in Esterwegen. Dann kam ich nach Hamburg, wo ich verurteilt wurde. Über Rendsburg kam ich dann abermals nach Esterwegen. Dieses war im Januar 1936. Etwa im Sommer 1936 kam ich dann nach Aschendorfer Moor. Am 4.1.1938 wurde ich aus der Schutzhaft entlassen.
Wenn ich gefragt werde, ob ich während meines Aufenthaltes in Esterwegen Erschießungen miterlebt habe, so muß ich das bejahen. Ich war dabei als der Jungkommunist Käfer erschossen wurde. Ich war gemeinsam mit Käfer und anderen Häftlingen beim gleichen Arbeitskommando beim Schießstand. Einige Tage vor der Erschießung des Käfer wurde dieser schon wiederholt zum sog. "Sport" herangezogen. Besonders arg wurde es mit ihm getrieben, an dem Tage, an dem er erschossen wurde. Soweit ich gehört habe, soll Käfer einen SA-Mann erschossen haben. Ob das stimmt, weiß ich nicht.
Mit meinen Mithäftlingen musste ich an diesem Tage Bäume tragen. Dabei hielten wir den Kopf gebeugt. Plötzlich fiel ein Schuß und Käfer fiel vorn herüber. Wir anderen mußte uns sofort
in den Sand - mit dem Gesicht nach unten - legen. Zu unseren
Bewachern gehörten etwa 4 bis 5 SS-Männer. Wer von diesen den
tödlichen Schuß abgegeben hat, weiß ich nicht. Unmittelbar nach
dem Schuß ertönte die Sirene. Daraufhin mußten wir aufstehen
und sofort in das Lager zurückkehren. Käfer blieb auf dem Platz liegen. Wann und durch wen er geholt wurde, weiß ich
nicht. Der Sarg des Käfer wurde in einem Geräteschuppen
aufgestellt. Soweit ich weiß, mußten die SS-Leute an dem geöffneten Sarg vorübergehen. Ein SS-Führer (Dienstgrad und Name sind mir unbekannt) sagte, "So, Käfer, das hast Du davon, wenn Du einen SA-Mann erschießt."
Ich glaube, der Sarg des Käfer wurde später von seinen Angehörigen abgeholt.
Zu der Erschießung Agranoff kann ich keine Angaben machen. Mit wurde von den vernehmenden Beamten ein Lichtbildband gezeigt. Von den abgebildeten Personen sind mir namentlich keine bekannt. Die sonstigen Lichtbilder, die ich heute gesehen habe, stellen Personen dar, von denen mir einige bekannt erscheinen. Ich bin aber nicht in der Lage, zu sagen, wer dort abgebildet ist. Desgleichen weiß ich auch nicht, wer bei dem Arbeitskommando Schießstand war, als Käfer erschossen wurde. Der Name Hackmann ist mir nicht geläufig. Ich muß dazu sagen, daß die Tatzeit 30 Jahre zurückliegt und ich einiges vergessen habe. Weitere Angaben kann ich nicht machen. Ich möchte noch nachtragen, daß Käfer während meines ersten Lageraufenthaltes in Esterwegen im Sommer 1935 erschossen wurde."
!Diese Aussage deckt sich nicht mit anderen Aussagen zum Mord an Käfer. Fünf Befragte geben an, dass Käfer während Arbeiten auf dem Sportplatz erschossen wurde. !
Ich wurde am 28.12.1934 aus politischen Gründen festgenommen. Über das Lager Fuhlsbüttel kam ich anfang Mai 1935 nach Esterwegen. Soweit ich mich heute noch erinnern kann, blieb ich etwa 3 Monate in Esterwegen. Dann kam ich nach Hamburg, wo ich verurteilt wurde. Über Rendsburg kam ich dann abermals nach Esterwegen. Dieses war im Januar 1936. Etwa im Sommer 1936 kam ich dann nach Aschendorfer Moor. Am 4.1.1938 wurde ich aus der Schutzhaft entlassen.
Wenn ich gefragt werde, ob ich während meines Aufenthaltes in Esterwegen Erschießungen miterlebt habe, so muß ich das bejahen. Ich war dabei als der Jungkommunist Käfer erschossen wurde. Ich war gemeinsam mit Käfer und anderen Häftlingen beim gleichen Arbeitskommando beim Schießstand. Einige Tage vor der Erschießung des Käfer wurde dieser schon wiederholt zum sog. "Sport" herangezogen. Besonders arg wurde es mit ihm getrieben, an dem Tage, an dem er erschossen wurde. Soweit ich gehört habe, soll Käfer einen SA-Mann erschossen haben. Ob das stimmt, weiß ich nicht.
Mit meinen Mithäftlingen musste ich an diesem Tage Bäume tragen. Dabei hielten wir den Kopf gebeugt. Plötzlich fiel ein Schuß und Käfer fiel vorn herüber. Wir anderen mußte uns sofort
in den Sand - mit dem Gesicht nach unten - legen. Zu unseren
Bewachern gehörten etwa 4 bis 5 SS-Männer. Wer von diesen den
tödlichen Schuß abgegeben hat, weiß ich nicht. Unmittelbar nach
dem Schuß ertönte die Sirene. Daraufhin mußten wir aufstehen
und sofort in das Lager zurückkehren. Käfer blieb auf dem Platz liegen. Wann und durch wen er geholt wurde, weiß ich
nicht. Der Sarg des Käfer wurde in einem Geräteschuppen
aufgestellt. Soweit ich weiß, mußten die SS-Leute an dem geöffneten Sarg vorübergehen. Ein SS-Führer (Dienstgrad und Name sind mir unbekannt) sagte, "So, Käfer, das hast Du davon, wenn Du einen SA-Mann erschießt."
Ich glaube, der Sarg des Käfer wurde später von seinen Angehörigen abgeholt.
Zu der Erschießung Agranoff kann ich keine Angaben machen. Mit wurde von den vernehmenden Beamten ein Lichtbildband gezeigt. Von den abgebildeten Personen sind mir namentlich keine bekannt. Die sonstigen Lichtbilder, die ich heute gesehen habe, stellen Personen dar, von denen mir einige bekannt erscheinen. Ich bin aber nicht in der Lage, zu sagen, wer dort abgebildet ist. Desgleichen weiß ich auch nicht, wer bei dem Arbeitskommando Schießstand war, als Käfer erschossen wurde. Der Name Hackmann ist mir nicht geläufig. Ich muß dazu sagen, daß die Tatzeit 30 Jahre zurückliegt und ich einiges vergessen habe. Weitere Angaben kann ich nicht machen. Ich möchte noch nachtragen, daß Käfer während meines ersten Lageraufenthaltes in Esterwegen im Sommer 1935 erschossen wurde."
!Diese Aussage deckt sich nicht mit anderen Aussagen zum Mord an Käfer. Fünf Befragte geben an, dass Käfer während Arbeiten auf dem Sportplatz erschossen wurde. !
Creator
LKPA Niedersachsen, Sonderkommission Z
Source
NLA OS Rep 945 Akz 6-1983, Nr 218
Citation
LKPA Niedersachsen, Sonderkommission Z, “Aussage Karl Rösecke (Titel noch überarbeiten),” Boden|Spuren, accessed April 4, 2025, https://bodenspuren.nghm-uos.de/items/show/429.
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